CSA - Kfv Hof

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Bericht und Bilder Sandra Hüttner, Frankenpost

Schweißtreibende Übung für "Astronauten"

Die Selbitzer Feuerwehr probt den Ernstfall mit Chemikalien. Die Arbeit in den Schutzanzügen stellt sich als ziemlich schwierig heraus. Die Einsatzkräfte meistern sie dennoch.


Selbitz - Feuerwehrleute in astronautenähnlichen Anzügen sind in Selbitz im Einsatz gewesen. Es war aber kein Ernstfall, sondern der Abschluss der zweitägigen Ausbildung für zwölf Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Naila, Selbitz und Schwarzenbach an der Saale. Es handelte sich bei den Monturen um Chemikalienschutzanzüge (CSA), die bei Gefahrgutunfällen zum Einsatz kommen, wie auch jüngst beim Ammoniak-Alarm im Hofer Schlachthof.

Zur Benutzung dieser Anzüge müssen die Feuerwehrler eine extra Ausbildung absolvieren, für die sie als Voraussetzung bereits eine abgeschlossene Atemschutzgeräteträgerausbildung haben müssen. Weitere Voraussetzungen sind der Grundlehrgang Gefahrgut sowie Einsatzerfahrung als Atemschutzgeräteträger von zirka einem Jahr und eine gültige ärztliche Eignungsuntersuchung.

Als Ausbildungsleiter fungierte Alexander Kindlein gemeinsam mit Ausbilder Jens Wagenlechner. Die verschiedenen Farben der Schutzanzüge haben aber keine Bedeutung. Aufbau, Schutzfunktion und Einsatzgrundsätze des Chemikalienschutzanzugs wurden in der Theorie gelehrt, gefolgt von einer ersten Gewöhnungsübung. Bewegungen werden in den Anzügen zur Herausforderung, denn sich schnell einmal zu bücken und ein heruntergefallenes Utensil aufzuheben, wird damit fast unmöglich.

Bei der abschließenden Einsatzübung und damit dem Ende der Ausbildung galt es zwei Szenarien abzuarbeiten. Dabei mussten die Trupps aus drei CSA-Trägern selbst entscheiden und agieren. Das erste Szenario stellte ein verunfalltes beladenes Stückgutfahrzeug mit 60-prozentiger Essigsäure dar, mit einer Person auf der Ladefläche, die in Gefahr war. Das war in diesem Fall eine 80 Kilogramm schwere Übungspuppe. Essigsäure verursacht Ätzungen an den Atemwegen und auf der Haut.

Das zweite Szenario bildete ein leckgeschlagener Kesselwagen gefüllt mit Ammoniaklösung, die giftig bis tödlich beim Einatmen wirkt und auf der Haut schwere Verbrennungen hinterlässt. "Wichtiger Aspekt für die Einsatzkräfte ist deshalb auch der Eigenschutz", unterstrich Ausbildungsleiter Kindlein, der mit Jens Wagenlechner die Vorgehensweise der Trupps beobachtete und später bewertete.

Es galt die Zusammenarbeit im Trupp, den Umgang mit Situation und Gefahr sowie die richtige Umsetzung des Gelernten zu beobachten. Jens Wagenlechner fungierte zudem als Abschnittsleiter außerhalb der Gefahrenzone, der beim richtigen Einsatz die Informationen, wie beispielsweise die Ladungskennzeichnung, an den Einsatzleiter weitergibt. "Wenn der Trupp, bestehend aus drei Einsatzkräften, zur Gefahrenstelle vorgeht, muss selbstständig entschieden, gehandelt und abgearbeitet werden", erklärte Alexander Kindlein, "lediglich Funkkontakt besteht nach draußen zu weiteren Einsatzkräften." Abarbeiten heißt hierbei auch, Prüfungen mit Messtechnik vorzunehmen und auch die Reinigung vorzunehmen, in diesem Fall die Ladefläche des Stückgutfahrzeuges und das Abbinden des Erdreiches, auf dem das ausgetretene Medium gelaufen ist. "Ein Einsatz läuft so lange, bis keine Gefahr mehr besteht." Sind die CSA-Träger mit ihrem Einsatz fertig dann müssen sie in den kontaminierten Anzügen erst einmal duschen. Der Dekontaminierungsplatz ist gekennzeichnet: Rot für dreckig; grün für sauber und gelb bedeutet Entsorgung. "Im Echteinsatz werden die CSA-Anzüge entsorgt, da keine Reinigung 100-prozentige Sicherheit gibt", sagte Ausbildungsleiter Kindlein.

Bei der Ausbildung wird auch das An- und Ablegen des CSA-Anzuges geübt, das Ablegen des kontaminierten Anzuges noch einmal mehr, da auch hier wieder Gefahrenpotenzial lauert und es gewisse Techniken gibt, um ohne Berührungen aus dem Anzug zu steigen. Der Vollkörper-Schutzanzug soll die Einsatzkräfte hauptsächlich vor giftigen und ätzenden Chemikalien schützen, sollte jemals ein Gefahrgut-Lastwagen umkippen oder in einen Unfall verwickelt sein. Im Ernstfall müssten die Einsatzkräfte erst einmal ermitteln, um welche Art von Stoff es sich handelt und ob das Leck repariert werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass auch das Sichtfeld in den schweren Anzügen eingegrenzt ist.

"Die Anforderungen an die CSA-Feuerwehrleute sind extrem hoch", erklärt Kindlein. Hätte jemand Platzangst, würde es niemals funktionieren. "Die Anforderungen dürften die Teilnehmer grundsätzlich nicht unterschätzen", warnte der Lehrgangsleiter. Falls noch die Hitze des Sommers bei Einsätzen dazukomme, würden die Anzüge schnell zu den reinsten Treibhäusern.

Das Leck im Kesselwagen muss geschlossen werden.
Die Schutzanzugträger kümmern sich um eine verletzte Person, die in diesem Fall aber eine 80 Kilogramm schwere Puppe ist.
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