Kreiseinsatzzentrale - Kfv Hof

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Mobile Kreiseinsatzzentrale im Landkreis Hof
Clevere Oberfranken entwickeln neuartiges Konzept


Bis zur Einführung der Integrierten Leitstellen (ILS) in Bayern führte nahezu bayernweit die Polizei die Erstalarmierung der Feuerwehren durch. Die Notrufnummer 112 lief bis dahin in den Einsatzzentralen der Polizei auf. Polizisten nahmen den Notruf entgegen und führten die erste Alarmierung durch. Nur die Koordinierung der Feuerwehren über Funk sowie eventuell erforderliche Nachalarmierungen übernahmen die sogenannten "Nachalarmierenden Stellen" (NAST) welche von ehrenamtlichen Feuerwehrdienstleistenden besetzt wurden. In Stadt und Landkreis Hof gab es insgesamt drei solcher NAST in Münchberg, Naila und Hof. Seit Inbetriebnahme der ILS Hochfranken in Hof sind diese NAST weggefallen. Die ILS Hochfranken übernimmt die Abfrage der Notrufnummer 112 sowie die Alarmierung und Koordinierung der Feuerwehren über Funk. Ihre Leistungsfähigkeit hat die ILS Hochfranken bereits mehrfach und kontinuierlich bewiesen. Über verschiedene Rückfallebenen wie dem Hintergrunddienst oder der Unterstützungsgruppe ILS, ist es Ihr auch möglich bei Großschadenslagen die Qualität Ihrer Arbeit auf gleichbleibendem Niveau zu halten. Schwierig kann sich dies allerdings bei Unwetterlagen gestalten, bei denen häufig hunderte von Notrufen innerhalb kürzester Zeit anzunehmen und zu koordinieren sind. Bei diesen Notrufen handelt es sich erfahrungsgemäß überwiegend um sogenannte zeitunkritische Einsätze. Unter zeitunkritischen Einsätzen verstehen die Rettungs-Profis Einsätze welche nicht zwingend umgehend abgearbeitet werden müssen. Ein Baum der eine wenig befahrene Straße blockiert ist ein Beispiel dafür. Bei einem Unwetter häufen sich diese zeitunkritischen Einsätze und es kommt zu einer sogenannten Mangelwirtschaft der ILS. Das heißt es sind aktuell so viele zeitunkritische Einsätze vorhanden, dass diese nicht alle sofort abgearbeitet werden können. Die Kapazitäten der Hilfsorganisationen reichen hierfür nicht aus. Die Einsätze werden nach Priorität geordnet und nacheinander den alarmierten Einsatzkräften mitgeteilt. Für zeitkritische Einsätze wie Unfälle oder Brände werden entsprechende Einsatzmittelreserven gebildet, um jederzeit schnell eingreifen zu können.

Um die Disponenten der ILS bei der Vielzahl von Einsätzen bei Unwetterlagen zu entlasten, werden sogenannte Kreiseinsatzzentralen (KEZ) gebildet. Diese KEZ werden häufig in den Räumen ehemaliger NAST eingerichtet und die dort vorhandenen Ressourcen teilweise mit genutzt. Die Mitarbeiter der KEZ sind ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter der Feuerwehren. Sie unterstützen bei Unwetterlagen die ILS durch die Übernahme der Koordination der zeitunkritischen Einsätze. Dazu übermittelt die ILS diese Einsätze an die KEZ und diese koordiniert die Bewältigung der Einsätze durch die Hilfsorganisationen. Zeitkritische Einsätze werden weiterhin von der ILS koordiniert.

Im Landkreis Hof hat man nun ein ganz eigenes Konzept zur Erstellung einer KEZ entwickelt. Die ersten Gedanken waren eine KEZ in einer der beiden NAST in Naila oder Münchberg einzurichten. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten den Bedürfnissen einer KEZ nicht entsprechen. An beiden Standorten hätten teilweise umfangreiche Umbaumaßnahmen realisiert werden müssen, was sich aufgrund der räumlichen Gegebenheiten als äußerst schwierig herausgestellt hätte und mit erheblichen Kosten verbunden gewesen wäre. Dies nahm man zum Anlass sich Gedanken über ein alternatives KEZ-Konzept zu machen. Die beiden Kreisbrandmeister Johannes Hagen und Rolf Hornfischer zeichneten dafür federführend und entwickelnden nach reiflichen Überlegungen mit ihrem Team ein ganz eigenes Konzept einer KEZ welches so aktuell in Bayern wohl einmalig ist und seines Gleichen sucht. Hornfischer und Hagen arbeiten schon lange Jahre in der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) zusammen. Hornfischer ist als Kreisbrandmeister für Katastrophenschutz auch gleichzeitig deren Leiter. Hagen fungiert als Kreisbrandmeister für Funk und EDV und organisiert auch innerhalb der UG-ÖEL die gesamte Informations- und Kommunikationstechnik (IuK). Nach reiflichen Überlegungen entschlossen sich die beiden dazu ein mobiles KEZ-Konzept zu entwickeln. Sie zielten primär darauf ab die KEZ immer in Nähe des Schadensgebietes zu positionieren. Die ohnehin nicht vorhandene geeignete Räumlichkeit für eine stationäre KEZ-Lösung wird ganz einfach durch ein zentral gelegenes Feuerwehrhaus oder Rathaus ersetzt welches sich in der Nähe des Schadenszentrums befindet. Dies hat den Vorteil, dass ein Teil der Kommunikation auch über 2m-Funk bewältigt werden kann. Denkbar wäre auch, dass die Hilfsorganisationen die KEZ direkt anfahren und dort mündlich die nächsten Einsätze übermittelt bekommen. Beide Möglichkeiten tragen dazu bei, den Funkverkehr zu minimieren und die Funkkapazitäten für zeitkritische Einsätze freizuhalten. Die hierfür erforderliche Technik ist auf einem der beiden Einsatzleitfahrzeuge der UGÖEL verlastet und wird direkt zum jeweiligen Standort der KEZ transportiert. Durch das vorhandene Konzept der UG-ÖEL mit zwei Fahrzeugen bleibt diese trotzdem immer einsatzbereit denn, wie bereits oben beschrieben, nur ein Fahrzeug der UG-ÖEL wird in die KEZ eingebunden. Durch die mitgeführte Technik lässt sich an jedem beliebigen Ort im Landkreis eine KEZ mit zwei Disponentenplätzen einrichten. Dabei stehen dem Personal der KEZ zwei Disponenten-Funkplätze, Faxgeräte, Kopierer, Telefone und umfangreiche EDV-Ausstattung zur Verfügung. Für den Fall eines Ausfalls des Telefonnetzes, verfügt die KEZ über redundante Kommunikationssysteme. Neben dem BOS-Funksystem kann die KEZ wahlweise die vorhandene Telefonverbindung der jeweiligen Räumlichkeit nutzen oder Telefon und Datenverbindungen via GSM oder Satellit erstellen.

Dieses System stellten die beiden KBM dem Kreisbrandrat und den Verantwortlichen des Landratsamtes Hof sowie der ILS Hochfranken vor. Alle Beteiligten zeigten sich beeindruckt von dem durchdachten System einer mobilen KEZ-Lösung. Die Kosten der erforderlichen zusätzlichen technischen Ausrüstung lagen dabei wesentlich niedriger als die kalkulierten Kosten bei einer stationären Lösung. Daher benötigte es auch keine große Überzeugungsarbeit bei den Verantwortlichen der Kreisverwaltungsbehörde die erforderlichen Investitionen in die IuK-Technik zu genehmigen. Nach der Freigabe der Geldmittel erfolgte die Bestellung des Equipments. KBM Hagen montierte das neue Equipment mit seinem Team und stellte die Verbindung zur vorhandenen Technik her.
Anschließend wurde dieses neue System schrittweise auf seine Praxistauglichkeit getestet.

In einem ersten Schritt wurde die KEZ in den Räumlichkeiten der ILS in Hof aufgebaut. Hier wurde primär die Datenverbindung zwischen KEZ und ILS getestet. Dabei stellte sich die primär gewählte Faxverbindung als nicht ausreichend leistungsfähig heraus. Die Übertragung eines Fax dauerte sehr lange und es verschwanden aufgrund der großen Datenmenge ein Teil der Unterlagen im "Daten-Nirvana". KBM Hagen, welcher mittlerweile zum Leiter der KEZ benannt wurde, und der EDV-Administrator der ILS Hochfranken, Markus Muck arbeiteten intensiv an einer alternativen Lösung und fanden diese schließlich auch.

In einem nächsten Schritt wurde die KEZ im Rahmen einer Übung zur Feuerwehr- Aktionswoche 2010 in abgesetzter Form getestet. Die KEZ wurde alarmiert und richtete Ihren Standort in den Räumen des Feuerwehrgerätehauses in Bad Steben ein. Angenommen wurde eine Sturmfront welche von West nach Ost über den Altlandkreis Naila zog und dabei eine Spur der Verwüstung hinterließ. Innerhalb kürzester Zeit gingen 120 Notrufe bei der ILS Hochfranken ein. Bei den meisten dieser Einsätze handelte sich um die besagten zeitunkritischen Einsätze wie "Keller unter Wasser" oder "Baum über Fahrbahn". Die Notrufe wurden abgesetzt von Mitgliedern der Feuerwehr Hof welche zuvor eine Aufstellung mit den anzunehmenden "Notfällen" erhielten. Die ILS Hochfranken testete in diesem Zug auch Ihre eigene Leistungsfähigkeit. Durch das Team der UG ILS und des Hintergrunddienstes gelang es die Notrufe zeitnah entgegenzunehmen und zu koordinieren. Die zeitunkritischen Einsätze wurden dabei zur Disposition an die KEZ weitergeleitet. Um realistische Verhältnisse zu erzielen wurden die zuständigen Feuerwehren alarmiert und fuhren die Einsatzstellen wirklich an. Die Feuerwehren wurden natürlich bereits im Vorfeld über diese Übung informiert. Der Ablauf der Übung klappte nahezu reibungslos. Das Team der KEZ arbeitete gut organisiert und selbst eine nicht geplante Einspielung eines zeitrelevanten Einsatzes (Brand des Rathauses in Lichtenberg) meisterten ILS und KEZ gemeinsam wie ein eingespieltes Team. Die Verantwortlichen des Landratsamtes und der umliegenden Gemeinden sowie Kreisbrandrat Helmut Wilfert zeigten sich begeistert von der guten Organisation und dem reibungslosen Ablauf. Kleinere Probleme gab es noch mit der Funkverbindung welche jedoch relativ einfach zu beseitigen sein werden. Neben dem Team welches die KEZ besetzt, sind auch permanent zwei Techniker vor Ort um bei plötzlich auftretenden Technikproblemen einschreiten zu können. Das Resumeé der Übung war durchwegs positiv! Sowohl ILS als auch KEZ haben die Belastungsprobe bestanden und die KEZ ist somit einsatzklar. Ein einziger Wehrmutstropfen bleibt allerdings. Die Einsatzkoordination erfolgt aktuell noch etwas rudimentär über Fax, eine Pinnwand und Klebezettel. Die aktuell auf dem Markt befindlichen Software-Lösungen für eine zeitgemäße Einsatzübermittlung und -koordination scheitern aktuell noch an der mangelnden Zusammenarbeit des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren mit den Software-Herstellern. Das Ministerium verweigert aktuell noch den Software-Herstellern den Zugang zur sicherheitsgeschützten Leitstellensoftware. Hier wäre wirklich eine zeitnahe Lösung des Problems wünschenswert. Durch eine entsprechende Softeware-Lösung könnte das System der Einsatzkoordinierung und - übermittlung auf den gleichen hohen Stand der restlichen IuK-Technik gehoben und eine insgesamt runde Lösung geschaffen werden.
Die KEZ im Landkreis Hof ist ab sofort einsatzklar und wartet auf den hoffentlich nicht so bald eintreffenden ersten Ernstfall.


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